
Wie schon angesprochen:
An den Textbeispielen sehen wir, was für eine gesprochene klare Aussage nötig ist.
Genau dasselbe brauchen wir, wenn wir beim Spielen den Gehalt der Musik deutlich machen wollen.
Beim Text überlegen wir, müssen entscheiden, was genau wir sagen wollen.
Mit einer Partitur müssen wir ebenso umgehen.
Eine Partitur ist wie ein Kochrezept. Das sagt was darin ist, aber nicht, wie es schmecken wird; nur, wie es schmecken soll.
Fürs "Abschmecken" ist, wie der Koch, der Musiker zuständig.
Das Ergebnis ist dann eine Interpretation. Wohlschmeckend!
«Worin aber besteht der gute Vortrag? In nichts anderem als der Fertigkeit,
musikalische Gedanken nach ihrem wahren Inhalte und Affekt singend oder spielend dem Gehör empfindlich zu machen.
Man kann durch die Verschiedenheit desselben einerlei Gedanken dem Ohre so veränderlich machen,
dass man kaum mehr empfindet, dass es einerlei Gedanken gewesen sind.
Die Gegenstände des Vortrages sind die Stärke und Schwäche der Töne, ihr Druck, Schnellen, Ziehen, Stossen, Beben,
Brechen, Halten, Schleppen und Fortgehen.
Wer diese Dinge entweder gar nicht oder zur unrechten Zeit gebraucht, der hat einen schlechten Vortrag.» (C.Ph.E. Bach)
Sehen wir es mal so:
Hinter den sieben Bergen…….. gibt es einen Achten…..
Dahinter liegt ein Land das heisst Musikalien, ein Nachbarland von Italien.
In Italien spricht man italienisch, in Musikalien musikalisch.
Neben englisch ist musikalisch unsere erste Fremdsprache.
Nun gilt es, diese Sprache besser kennenzulernen. Und Vokabeln lernen.
Man muss bei einer Sprache doch wissen, wie sie ausgesprochen wird.
Niemand ist Italiener, weil er Spaghetti essen kann. Italiener ist man, wenn man die Sprache Italienisch beherrscht.
Musiker ist man, wenn man die Sprache Musikalisch beherrscht.
Allzu schwer haben wir es dabei nicht, gibt es doch eine Fülle von zeitgenössischen Quellen von grosser Aussagekraft.
Die Schriften von G. Muffat, L. Mozart, J. J. Quantz, C. Ph. E. Bach, J. Mattheson, J. A. Scheibe und viele andere.
Zu den Affekten gibt es lange Aufzählungen:
Liebe, Hass, Verlangen, Abscheu, Freude, Traurigkeit, Zorn, Sanftmut, Hoffnung, Verzweiflung, Vertrauen, Misstrauen,
Schamhaftigkeit, Furcht, Barmherzigkeit, Eifersucht, Nachahmungseifer, Reue, Neid, Schadenfreude und sehr viele andere.
J.J. Quantz: "…wer den Ton nicht zur rechten Zeit zu erheben oder zu mässigen weiss, der wird niemanden besonders rühren."
Wie wir sehen können, ist der Zugang zur Sprache Musik, der Klangrede,
dem lebendigen Vortrag, der die Herzen bewegen kann und nicht nur die
Klangästhetischen Bedürfnisse bedient, vielfach vorgegeben.